Wolf Lotter

INTERVIEW Hugendubel-Magazin "Büchermenschen":


CONTROLLER, BUCHHALTER UND Excel-Akrobaten geben heute in Unternehmen den Ton an. Von der anderen Seite sorgen Hartz IV & Co. für Zukunftsängste. Da kommt der "brand eins"-Journalist Wolf Lotter daher und will es krachen lassen.

   > Herr Lotter, die "Geiz-ist-geil"-Mentalität knüppelt die Binnenkonjunktur nieder. Aber muß man deshalb gleich die Lust an der Verschwendung proklamieren?

   < Auf jeden Fall! Die Geiz-Mentalität ist ja nur eine der Katastrophen, unter denen sich in Deutschland nichts mehr bewegt. Unternehmensberater, Manager und Politiker reden immer nur vom Sparen. Das heißt: Es wird nichts investiert, und Innovationen werden woanders gemacht. Das Neue entsteht nur, wenn man die Vielfalt in die Wirtschaft zurückholt. Sie ist wichtigstes Kapital, war es schon immer. Und außerdem macht das ständige Herumknapsen schlechte Laune. Das ändert sich nur, wenn wir es richtig krachen lassen!

   > Wie Geiz ist auch die Maßlosigkeit eine der sieben Todsünden. Erklären Sie uns, warum uns Verschwendung doch in den Himmel bringt.

   < Sie bringt uns sogar den Himmel auf Erden. Denn sie bedeutet immer, daß andere was abkriegen. Luxus schafft eine Menge Arbeitsplätze, und wer verschwenderische Pläne schmiedet, bringt andere in Brot und Wohlstand. Vergleichen wir das mal mit Rationalisierungsplänen und "Entlassungsproduktivität". Von Nichts kommt nichts.

   > Ist es nicht angesichts von Massenarbeitslosigkeit zynisch, Maßlosigkeit zu loben?

   < Zynisch wäre es, den Menschen zu sagen: Schnallt doch mal den Gürtel nochmals enger, ja? Deutschland hat eine Rekordarbeitslosigkeit und eine Rekordsparquote. In vielen Unternehmen haben Mißtrauen und Orientierungslosigkeit ein solches Maß angenommen, daß kreative und gewinnbringende Innovation überhaupt nicht mehr angedacht wird. Jeder verteidigt nur, was er hat. Diesen Zustand nicht massiv und in klaren Worten anzuprangern, wäre nicht nur zynisch, sondern auch menschenverachtend.

   > Wir haben nur endliche Ressourcen - ist Bescheidenheit nicht auch angebracht angesichts der Verantwortung für nächste Generationen?

   < ... wie heißt es so schön: Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr. Verantwortung für die folgenden Generationen übernehmen doch nicht die, die heute auf ihrem Vermögen sitzen und es nicht ausgeben. Das ist sogar höchst unverantwortlich. Oder nehmen wir den Schutz der Umwelt und der Ressourcen. Seit Jahren wird die seltsame Parole ausgegeben, daß immer weniger mehr wäre. Uns sollte etwas Klügeres einfallen statt dem immer gleichen "Lassen wir was weg." Die Generation von heute hat einen klaren Job: sie muß die Welt besser machen als sie sie vorgefunden hat. Sie muß also dieser Welt etwas hinzufügen, das künftigen Generationen nützt.

VERSCHWENDUNG IST DAS Grundprinzip der Natur - und der Marktwirtschaft! Nur wer großzügig sät, hat die Chance auf eine reiche Ernte. Warum es Sinn macht, jetzt wieder aus dem Vollen zu schöpfen, zeigt Wolf Lotter höchst unterhaltsam und klug und erteilt den Sparaposteln und Kostenknechten eine klare Absage.

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