Wolf Lotter

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Rezension zum Buch "Verschwendung"

Der Zweck des Kapitalismus
 

Man braucht bei der Lektüre (allerdings) einige Zeit, bis man dahinter kommt, was Lotter mit dem titelgebenden Begriff eigentlich genau meint: Nämlich nicht das unbedachte Geldausgeben ohne erkennbaren Sinn oder Nutzen, also das "Vergeuden" oder auch "Verprassen"; er stellt sich vielmehr gegen jedes erdenkliche "Horten" von größeren Geldmengen - sei es von Firmen oder Privaten. "Wirtschaft braucht Überfluss", so der Untertitel des Buches; der Geldkreislauf muss ständig am Laufen gehalten werden, meint der Autor, dann funktioniere die Trias "Kapitalismus-Vielfalt-Verschwendung" wie ein "Perpetuum mobile". Mehr noch: "Die Verschwendung ist der eigentliche Zweck des Kapitalismus."

Zu einem glasklaren, unmissverständlichen Aufruf, etwa an die Chefs börsenotierter Unternehmen, in Zeiten forcierter Aktienrückkäufe und auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichteter Strategien dieser "Geiz ist geil"-Mentalität Einhalt zu gebieten, lässt sich Lotter nicht hinreißen; schließlich greift seine Kritik viel weiter als nur bis in die Vorstandsetagen und setzt beim Konsumenten, dem mündigen Bürger, an, dessen "Zeitalter der Verantwortung" nun endgültig angebrochen sei. Dennoch möchte man das Buch, trotz seines auf den ersten Blick scheinbar "unmoralischen" Titels, auch gern so manchem Firmenchef aufs Nachtkästchen legen.

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