Wolf Lotter

13/05 2006

SÜDWEST PRESSE

Die Tugend des Verschwendens
Neues schaffen statt an altbekanntem Gleichen festhalten

Kosten senken, lautet das Gebot der Stunde, sparen, geizen und kappen. Doch das ist eine Sackgasse, meint der Autor Wolf Lotter und lässt die Puppen tanzen: Wer verschwendet, nutzt nicht nur sich sondern auch der Gesellschaft. Verschwendung ist für ihn produktiv.

(...)Das Wort "Verschwendung" kann, nach Auffassung Lotters, gar nicht ideologiefrei verwendet werden. Mit Vergeudung hat die Verschwendung allerdings nichts zu tun, denn die verweist auf das Statische, das Festhalten, das Besitzstandswahren, das Rückgewärtsgewandte, das nur verbraucht, ohne Neues zu schaffen. Verschwendung dagegen heißt für Lotter: freies Spiel der Ideen, Mut zum Risiko und zum Neuen. Kurz: eine Tugend.
Doch Lotter stellt klar: es geht ihm dabei nicht um eine blinde Vorwärtsbewegung. "Eine demokratische Gesellschaft, die ihren Namen verdient, lässt sich nicht vorschreiben, was sie tun soll, sie nutzt ihre Möglichkeiten - und verschwendet sie nicht."(...)

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